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Welches Gewinde ist das?

Drei Messungen genügen: Außendurchmesser über die Gewindespitzen, Gänge auf 25,4 mm, und ein Vergleich vorn gegen hinten auf Kegel. Damit steht jedes Gewinde fest — ohne Zeichnung, ohne Typenschild, ohne Gewindelehre. Direkt zur Tabelle:

Der häufigste Weg hierher sieht so aus: An einer Maschine fehlt eine Schraube, im Netz findet sich unter dem Maschinennamen nichts, und die neue aus dem Regal geht nicht hinein. Ein Kunde hat es kürzlich so formuliert: „Die Schraube sieht aus wie M10, aber die neue lässt sich nicht eindrehen — was ist das für ein Gewinde?“ Die Antwort steckt in drei Zahlen, die sich mit einem Messschieber und einem Lineal ermitteln lassen.

Prinzipskizze: Gewinde bestimmen über Außendurchmesser, Gangzahl auf 25,4 mm und Kegelprüfung
Die drei Messungen am Gewinde — Beschriftung deutsch, Prinzipskizze, nicht maßstäblich

In drei Schritten zum Gewinde

  1. Schritt 1 — Außendurchmesser. Messschieber quer über die Gewindespitzen legen, nicht über eine abgenutzte Stelle. Bei Innengewinden wird der Kerndurchmesser gemessen, also der Bohrungsdurchmesser zwischen den Gewindespitzen.
  2. Schritt 2 — Steigung. Ein Lineal längs anlegen und die Gewindegänge auf einer Strecke von 25,4 mm zählen. Wer eine Gewindelehre hat, spart sich das Zählen; nötig ist sie nicht.
  3. Schritt 3 — kegelig oder zylindrisch. Den Außendurchmesser an den ersten und noch einmal an den letzten Gewindegängen messen. Gleicher Wert heißt zylindrisch, ein abnehmender Wert heißt kegelig.

Die Regel, an der die meisten Bestimmungen scheitern: Ein gemessener Außendurchmesser liegt immer unter dem Nennmaß. Eine fabrikneue M10 in Toleranz 6g misst 9,73 bis 9,97 mm, ein gebrauchtes Teil noch weniger. Deshalb wird immer auf den nächsthöheren Normwert aufgerundet, nie abgerundet — ein Gewinde wird beim Verschleiß dünner, nie dicker. Wer 9,78 mm misst und daraus „M9,8“ macht, sucht anschließend nach einer Größe, die es nicht gibt.

Metrisches ISO-Gewinde — Regelsteigung und gängige Feinsteigungen

Beim metrischen Gewinde wird die Steigung in Millimetern angegeben: der Abstand von einer Gewindespitze zur nächsten. Die Regelsteigung ist die Standardvariante, die Feinsteigungen sitzen an Stellen, an denen es auf Selbsthemmung, Feineinstellung oder dünne Wandstärken ankommt — Radbolzen, Hydraulikverschraubungen, Messgeräte, Lagermuttern.

Metrisches ISO-Gewinde nach DIN 13: Regelsteigung, gängige Feinsteigungen und typischer Messwert am realen Teil
GrößeRegelsteigungGängige FeinsteigungenGemessener Außen-Ø typisch
M30,5 mm2,85–3,00 mm
M40,7 mm3,80–4,00 mm
M50,8 mm4,80–5,00 mm
M61,0 mm0,755,80–6,00 mm
M81,25 mm1,0 · 0,757,76–8,00 mm
M101,5 mm1,25 · 1,0 · 0,759,73–10,00 mm
M121,75 mm1,5 · 1,25 · 1,011,70–12,00 mm
M142,0 mm1,5 · 1,2513,68–14,00 mm
M162,0 mm1,515,68–16,00 mm
M182,5 mm2,0 · 1,517,62–18,00 mm
M202,5 mm2,0 · 1,519,62–20,00 mm
M222,5 mm2,0 · 1,521,62–22,00 mm
M243,0 mm2,0 · 1,523,58–24,00 mm
M273,0 mm2,0 · 1,526,58–27,00 mm
M303,5 mm2,0 · 1,529,52–30,00 mm
M333,5 mm2,0 · 1,532,52–33,00 mm
M364,0 mm3,0 · 2,035,46–36,00 mm
M424,5 mm3,0 · 2,041,44–42,00 mm
M485,0 mm3,0 · 2,047,40–48,00 mm
M565,5 mm4,0 · 3,0 · 2,055,37–56,00 mm
M646,0 mm4,0 · 3,0 · 2,063,32–64,00 mm

Die Spalte ganz rechts ist der Grund, warum viele Bestimmungen daneben gehen: zwischen M20 und M22 liegen 2 mm, aber zwischen dem gemessenen Wert einer M22 und dem Nennmaß liegen schon 0,38 mm. Bei kleinen Größen ist der Abstand komfortabel, ab M24 wird er es nicht mehr — dort entscheidet die Steigung mit.

Metrisch oder Zoll — die Unterscheidung in einem Satz

Zählen Sie die Gänge auf 25,4 mm. Kommt eine ganze Zahl heraus, ist es ein Zollgewinde; kommt eine krumme Zahl heraus, ist es metrisch. Der Grund ist die Definition: Zollgewinde werden über die Gangzahl je Zoll festgelegt, metrische über den Abstand in Millimetern. Ein zweites Merkmal ist der Flankenwinkel — 60 Grad bei metrisch und UN, 55 Grad bei Whitworth und BSP —, aber der lässt sich ohne Profillehre kaum ablesen.

Zollgewinde: Gänge je Zoll für UNC, UNF, BSW und BSF
NenngrößeAußen-ØUNCUNFBSW (Whitworth)BSF
1/4"6,35 mm20282026
5/16"7,94 mm18241822
3/8"9,53 mm16241620
7/16"11,11 mm14201418
1/2"12,70 mm13201216
5/8"15,88 mm11181114
3/4"19,05 mm10161012
1"25,40 mm812810

UNC und BSW haben bei den kleinen Größen dieselbe Gangzahl und unterscheiden sich nur im Flankenwinkel. Für die Beschaffung ist das trotzdem entscheidend: Whitworth-Größen an Vorkriegsmaschinen, englischen Motorrädern und alten Werkzeugmaschinen sind im Handel praktisch verschwunden, während UNC überall zu bekommen ist.

Die fünf Paare, die man verwechselt

Diese Kombinationen liegen so dicht beieinander, dass eine einzelne Messung nicht reicht. Die letzte Spalte sagt, welche der beiden Messungen im jeweiligen Fall entscheidet.

Verwechslungspaare metrisch gegen Zoll — welche Messung entscheidet
MetrischZollAußen-Ø im VergleichGänge je 25,4 mmEntscheidet
M8 × 1,255/16" UNC8,00 gegen 7,94 mm — 0,06 mm20,3 gegen 18Steigung
M6 × 1,01/4" UNC6,00 gegen 6,35 mm — 0,35 mm25,4 gegen 20Steigung
M10 × 1,53/8" UNC10,00 gegen 9,53 mm — 0,47 mm16,9 gegen 16Durchmesser
M12 × 1,751/2" UNC12,00 gegen 12,70 mm — 0,70 mm14,5 gegen 13Durchmesser
M20 × 2,53/4" UNC20,00 gegen 19,05 mm — 0,95 mm10,2 gegen 10Durchmesser

Der wirklich böse Fall ist die erste Zeile. M8 und 5/16 Zoll liegen außen nur 0,06 mm auseinander — weniger als der Verschleiß an einem gebrauchten Bolzen. Über den Messschieber sind die beiden nicht zu trennen, über die Steigung sofort: 1,25 mm gegen 1,41 mm. Wer hier den Durchmesser entscheiden lässt, bestellt zweimal falsch.

Rohrgewinde: warum G1/2 außen 20,955 mm misst

Die häufigste Fehlmessung überhaupt entsteht bei Rohrgewinden, und sie hat einen einfachen Grund: Rohrgewinde sind nach der lichten Weite des Rohres benannt, nicht nach dem Gewinde. G1/2 sitzt auf einem Rohr mit rund 13 mm Innendurchmesser; das Gewinde darauf misst außen knapp 21 mm. Wer 20,96 mm misst und in einer metrischen Tabelle sucht, landet bei M21 und damit im Nichts.

Rohrgewinde: zylindrisch nach DIN EN ISO 228 (G) und kegelig nach ANSI B1.20.1 (NPT)
BezeichnungAußen-Ø G (zylindrisch)Gänge je Zoll GAußen-Ø NPT am großen EndeGänge je Zoll NPT
1/8"9,73 mm2810,3 mm27
1/4"13,16 mm1913,7 mm18
3/8"16,66 mm1917,1 mm18
1/2"20,96 mm1421,3 mm14
3/4"26,44 mm1426,7 mm14
1"33,25 mm1133,4 mm11,5
1 1/4"41,91 mm1142,2 mm11,5
1 1/2"47,80 mm1148,3 mm11,5
2"59,61 mm1160,3 mm11,5

In der Zeile 1/2 Zoll stehen 20,96 mm gegen 21,3 mm bei identischer Gangzahl 14 — das ist die Stelle, an der G und NPT regelmäßig vertauscht werden und die Verschraubung anschließend zwar greift, aber nicht dicht wird. Die Kegelprüfung trennt die beiden zuverlässiger als der Durchmesser: der Kegel 1:16 von R und NPT ändert den Außendurchmesser um 0,63 mm je 10 mm Länge, während G über die gesamte Länge gleich bleibt. Bei 1/4 und 3/8 Zoll hilft zusätzlich die Gangzahl, dort stehen 19 gegen 18.

Funktional folgt daraus die Dichtstelle: G dichtet nicht im Gewinde, sondern über einen Dichtring an der Schulter — ein G-Außengewinde in eine kegelige Aufnahme zu drehen und mit Hanf abzudichten, ist ein Provisorium. Wer beides verbinden muss, braucht ein Übergangsstück: Gewindeadapter nach Maß.

Die Schraube senkrecht halten und die Gewindegänge ansehen: steigen sie nach rechts oben an, ist es ein Rechtsgewinde. Fallen sie nach rechts ab, ist es ein Linksgewinde. Ein zweiter Test ohne Blickurteil: Ein Rechtsgewinde zieht beim Drehen im Uhrzeigersinn an.

Linksgewinde tauchen an genau vorhersehbaren Stellen auf — an der linken Pedalkurbel des Fahrrads, an Sägewellen und Schleifspindeln, an Spannschlössern mit gegenläufigen Enden, an Brenngasflaschen, sowie überall dort, wo eine mitdrehende Masse eine Rechtsverschraubung sonst lösen würde. Wer eines braucht: Linksgewindeschrauben sind im Handel nur in wenigen Standardgrößen zu bekommen.

Wenn sich nichts mehr messen lässt

  • Das Gewinde ist abgerissen oder ausgerissen. Dann wird nicht das kaputte Gewinde gemessen, sondern das Gegenstück — die Mutter, die Bohrung oder die zweite baugleiche Schraube an der anderen Seite der Maschine. Zur Reparatur der Bohrung selbst: Gewinde ausgerissen — Einsatz oder Buchse.
  • Nur ein Innengewinde ist vorhanden. Kerndurchmesser messen und Gänge abzählen. Als Anhaltspunkt: der Kerndurchmesser liegt etwa eine Steigung unter dem Nennmaß, bei M10 × 1,5 also bei rund 8,5 mm. Die genauen Werte stehen in der Kernloch- und Durchgangsloch-Tabelle.
  • Das Teil sitzt fest in der Maschine. Ein Abdruck der ersten Gewindegänge mit Knetmasse oder Zweikomponentenmasse liefert Steigung und Durchmesser gut genug für die Bestimmung.
  • Die Gewindegänge sind verformt. An einer unbeschädigten Stelle messen, meist ganz am Ende des Gewindes oder direkt unter dem Kopf, wo nie eine Mutter saß.

Gemessen — und jetzt? Was der Handel führt und was nicht

Die Bestimmung ist nur die halbe Arbeit. Entscheidend ist, was danach kommt: Manche Ergebnisse sind Lagerware, andere existieren als Norm, aber in der gewünschten Kombination aus Länge, Werkstoff und Kopfform nirgends.

Vom Messergebnis zur Beschaffung
Ergebnis der MessungIm Handel erhältlich?Was daraus folgt
M10 × 1,5, 8.8, 40 mmJa, überall lagerndIm Fachhandel kaufen — dort günstiger und sofort verfügbar
M10 × 1,25, Länge 160 mmFeingewinde nur bis etwa 80 mmAus dem Vollen gedreht, Gewindelänge frei wählbar
M30 × 1,5 in 1.4404Nein, Feingewinde in A4 endet früherEinzeln gedreht, ab 1 Stück
BSW 3/8" × 16, EdelstahlNein, Whitworth ist aus dem Handel verschwundenNachgefertigt nach Ihrem Musterteil
G1/2 auf M20 × 1,5Nein, Kombination nicht genormtAdapter aus einem Stück, ohne Zwischenstellen
Tr20 × 4 Trapez, linksNein, links praktisch nicht lagerndSpindel und Mutter als geprüftes Paar gefertigt
Zwei verschiedene Gewinde an einem BolzenNein, keine Norm dafürDoppelgewindebolzen nach Skizze

Die erste Zeile ist ernst gemeint: Wenn die Messung eine gängige Normgröße ergibt, ist der Fachhandel schneller und billiger, und dafür brauchen Sie uns nicht. Interessant wird es ab der zweiten Zeile — dort endet der Katalog und die Fertigung fängt an.

Werkstoff beim Nachfertigen

Für nachgefertigte Schrauben und Bolzen ist rostfrei meist 1.4301 (A2) oder bei Salzwasser und Chemie 1.4404 (A4, 316L); bei Zerspanungsteilen mit vielen Gewinden ist 1.4305 die wirtschaftlichere Wahl. Bei Festigkeit ab 8.8 wird Vergütungsstahl eingesetzt, für hochbelastete Bolzen 42CrMo4. Aluminium hat in einer tragenden Schraube dagegen nichts verloren — 6061 und 7075 setzen wir für Adapterkörper, Distanzstücke und Gehäuse ein, nicht für das Gewindeteil, das die Last hält. Wer eine Aluminiumschraube sucht, sucht meist in Wahrheit eine leichtere Konstruktion.

Häufige Fehler beim Gewindemessen

  • Über eine abgenutzte Stelle gemessen. Die Mitte des Gewindes ist genau dort, wo die Mutter gearbeitet hat. Am unbelasteten Ende messen.
  • Abgerundet statt aufgerundet. 11,8 mm ist eine M12, keine M11,8.
  • Rohrgewinde in der metrischen Tabelle gesucht. Zwischen 9,7 und 9,8 mm liegen G1/8 und M10 — zwei völlig verschiedene Welten.
  • Nur den Durchmesser gemessen. Bei M8 gegen 5/16 Zoll führt das garantiert zur falschen Bestellung.
  • Die Steigung an zwei Gängen abgeschätzt. Über 25,4 mm gezählt ist der Fehler zehnmal kleiner.
  • Feingewinde übersehen. M12 gibt es mit 1,75 · 1,5 · 1,25 und 1,0 mm Steigung. Alle vier passen in dieselbe Bohrung — und keine in die andere.

Wenn die gemessene Größe nirgends zu bekommen ist: EKINSUN ist ein Fertiger von Sonderschrauben, Bolzen und Drehteilen nach Zeichnung. Für ein Angebot genügen die drei Zahlen von dieser Seite — Außendurchmesser, Steigung und die Angabe kegelig oder zylindrisch; eine Zeichnung ist nicht nötig, ein Foto mit Zollstock daneben reicht ebenfalls. Wir fertigen ab 1 Stück, auch in Whitworth, BSF, Trapez- und Linksgewinden, und antworten innerhalb von 12 Stunden: Sonderschrauben nach Maß, Gewindeadapter oder Ersatzteil nach Muster.

Häufige Fragen zum Gewinde bestimmen

Mit Messschieber und Lineal. Erst den Außendurchmesser über die Gewindespitzen messen, dann ein Lineal längs an das Gewinde legen und die Gänge auf 25,4 mm zählen. Kommt eine ganze Zahl heraus, ist es ein Zollgewinde; kommt eine krumme Zahl heraus, ist es metrisch. Beides zusammen ergibt die Bezeichnung, eine Lehre beschleunigt das nur.

Weil der Nenndurchmesser das theoretische Maß der Gewindespitzen ist und die Fertigungstoleranz nur nach unten geht. Eine neue M10 in Toleranz 6g misst außen 9,73 bis 9,97 mm, ein gebrauchtes Teil noch etwas weniger. Deshalb wird beim Bestimmen immer auf den nächsthöheren Normwert aufgerundet: ein Gewinde wird beim Verschleiß dünner, nie dicker.

Nur über die Steigung, nicht über den Durchmesser. M8 misst außen 8,00 mm, 5/16 Zoll misst 7,94 mm — das sind 0,06 mm Unterschied und damit weniger als der Verschleiß. Entscheidend ist die Gangzahl: M8 Regelgewinde hat 1,25 mm Steigung, also rechnerisch 20,3 Gänge je Zoll, während 5/16 Zoll UNC genau 18 Gänge je Zoll hat.

20,955 mm, nicht 12,7 mm. Rohrgewinde sind nach der lichten Weite des Rohres benannt, nicht nach dem Gewinde. G1/2 sitzt auf einem Rohr mit etwa 13 mm Innendurchmesser, außen misst das Gewinde knapp 21 mm. Das ist die häufigste Fehlmessung überhaupt.

Den Außendurchmesser an den ersten und an den letzten Gewindegängen messen und die Werte vergleichen. Bleibt der Wert gleich, ist es ein zylindrisches G-Gewinde, das über einen Dichtring an der Schulter dichtet. Der Kegel 1:16 von R und NPT ändert den Durchmesser um 0,63 mm je 10 mm Länge; diese Gewinde dichten im Gewinde selbst.

Am einfachsten über das Gegenstück: Wenn die alte Schraube noch vorhanden ist, wird sie gemessen, nicht die Bohrung. Ist nur die Bohrung da, wird der Kerndurchmesser mit dem Messschieber gemessen und die Steigung an den Gängen abgezählt; bei M10 mit 1,5 mm Steigung liegt der Kerndurchmesser bei etwa 8,5 mm. Ein Abdruck mit Knetmasse hilft, wenn die Bohrung tief oder schlecht zugänglich ist.

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